Warum sich Menschen gegen eine Waldbestattung entscheiden
Friedhofsbestattung oder Waldbestattung? Das ist die Frage, die sich Menschen im fortgeschrittenen Alter stellen, wenn sie über ihren eigenen Tod nachdenken. Was für den einen Bürger die gewünschte Freiheit von Konventionen ist, empfinden andere als inakzeptable Einschränkung.
Es geht uns in diesem Beitrag nicht nur um ganz praktische Kriterien, die bei den Überlegungen für eine Waldbestattung auf den ersten Blick vergessen werden. Es sind vorwiegend unangenehme Erlebnisse im Traueralltag, die nicht zu unterschätzen sind.
Das unscheinbare Namensschild am Baum
Bei einer Baubestattung weist meist nur ein kleines, unscheinbares Namensschild auf die Grabstelle unter dem Baum hin. Diese sind überwiegend einheitlich gestaltet, oft schmucklos und klein, nur zu lesen, wenn man direkt davorsteht. Wind und Wetter können außerdem das Namensschild verwittern lassen und/oder Moos ansetzen.
Auf dem Friedhof hingegen kann die Inschrift des Namens des Verstorbenen ganz nach Wunsch gestaltet werden. Dabei spielen Größe, Form (invertiert oder mit Buchstaben abgesetzt) und Schriftart eine wichtige Rolle, um die Persönlichkeit abzubilden. Es ist von Weitem gut erkennbar, wer hier beigesetzt wurde. Ein deutlicher Bezugspunkt für die Angehörigen.
Gerne werden auf Grabsteinen persönliche Zitate, Psalme oder Lebensweisheiten eingraviert oder auf Tafeln beschriftet. Diese Form der Erinnerung ist bei der Baumbestattung sehr eingeschränkt (klein) oder gar nicht möglich.
Das Verbot von Grabschmuck und Symbolik
In privatwirtschaftlich betriebenen Waldfriedhöfen gilt das Prinzip der Naturbelassenheit. Diese Vorgabe wirkt sich auf alles aus, was die Gestaltung und den Schmuck der Grabstelle angeht. Nicht erlaubt sind:
- Kerzen: Wegen der Waldbrandgefahr und des Plastikmülls (LED-Grabkerzen) streng untersagt.
- Blumen: Das Ablegen von Gebinden, Kränzen oder auch nur einer einzelnen Rose ist oft nicht gestattet, um das Ökosystem Wald nicht zu stören.
- Symboliken: Dinge, die zu den Leidenschaften oder Hobbys des Verstorbenen gehörten (Fußball, Autos, etc.)
- Fotos: entweder als eingerahmtes Porträt oder als dreidimensionales Bild in Glas (z. T. erlaubt: kleine Porträtfotos)
- Ornamente: wie eine Rose aus Bronze, Kreuze, Steine usw.
Für Angehörige, die in der Trauerphase der ersten Monate sind, wird dieses Bedürfnis, dem Verstorbenen etwas „mitzubringen“, verweigert. Angehörige fühlen sich dadurch oft hilflos oder vom Verstorbenen „abgeschnitten“.
Eingeschränkte Zugänglichkeit und Barrierefreiheit
Da der überwiegende Teil der Angehörigen in einem hohen Alter ist, spielt die Zugänglichkeit des Friedhofs eine bedeutende Rolle zur Trauerbewältigung.
Städtische oder kommunale Friedhöfe sind überwiegend gut erreichbar. Das gilt sowohl für die Verkehrsanbindung (öffentliche Verkehrsmittel), als auch für die Parkplätze, wenn die Anfahrt per Pkw erfolgt. Alle Friedhöfe haben Wege zu den Grabstätten, die bestens zu Fuß begehbar oder mit Rollstuhl oder Rollator befahrbar sind. Selbst bei schlechtem, nassen Wetter und Schnee im Winter.
Waldfriedhöfe, die nicht selten abgelegen liegen, sind deshalb nicht so gut zugänglich, wie normale Friedhöfe. Die Wege sind meist Wald- und Feldwege, bei Nässe aufgeweicht. Festes Schuhwerk, ggf. Stöcke zur Unterstützung des Laufens, sind bei älteren, nicht mehr so mobilen Angehörigen empfehlenswert. Im Winter sind Waldwege oft vereist, es darf nicht gestreut werden, was zur Folge hat, dass es zu einer monatelangen „Besuchssperre“.kommt.
Friedhöfe bieten mittlerweile das Beste aus beiden Welten an
Durch die Konkurrenzsituation – kommunaler Friedhof versus Waldfriedhof – entsteht in den Gemeinden und Städten ein Umdenken. Da, wo es vom Raum her möglich ist, werden Friedhöfe so angepasst, dass auch Baumbestattungen angeboten werden können.
Für Angehörige bedeutet das eine deutliche Verbesserung der Zugänglichkeit des Friedhofs.
In Großstädten wie Berlin oder München gibt es schon seit Jahrzehnten Wald- bzw. Parkfriedhöfe, die sowohl Bestattungen in Erdgräbern, als auch Urnenbestattungen unter den groß gewachsenen Bäumen anbieten.
Südwestkirchhof bei Stahndorf
Ein Beispiel für einen kombinierten Friedhof ist der Südwestkirchhof bei Stahndorf (siehe Bild). Er ist ca. 40 km von Zossen entfernt. Ein Besuch lohnt sich nicht nur wegen der Natur und den historischen Grabstätten. Viele Prominente sind dort beerdigt.
Südwestkirchhof Stahnsdorf (bei Berlin, Brandenburg): Dieser parkartige Friedhof ist in kirchlicher Trägerschaft (Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz). Aufgrund seiner Größe und Waldstruktur werden hier Sarg- und Urnenbestattungen in waldartigen Bereichen angeboten. Er gilt als einer der bedeutendsten Waldfriedhöfe Europas.
